Freitag, 10. Juli 2009

mit Starkwind nach Sardinien

Nachdem ich in Porto Nuovo 2 Tage auf günstiges Wetter gewartet habe bin ich es leid und beschliesse am nächsten Morgen zu gehen, wenn nicht mehr als 8Bf angesagt würden. Um 6h früh stehe ich auf, denn ich hatte an den Vortagen bemerkt, dass der Maestrale um diese Zeit eine Schwächephase hat. Die Wettervorhersage auf Navtex verspricht in der Strasse von Bonifacio 6-7Bf und im Norden Sardiniens 7Bf später 8. Ich zerre den Anker aus dem Grund. Nach 2 Tagen Starkwind ist er wahrhaftig gut eingefahren - und laufe aus der Bucht aus. Segel mit 2Reffs gsetzt und - jepp - auf Kurs mit dem Kahn! Der Wind kommt und wie. Bald bläst es mit satten 7Bf (30-34kn). Yoyo rauscht mit 8-8,5kn die Wellen runter und die Selbststeueranlage macht einen bewundernswerten Job. Ja, es ist fantastisch ihr zuzuschauen wie sie das Boot auch in schwierigen Situationen sicher unter Kontrolle hält. Aber was zuviel ist ist zuviel und 7BF mit nur 2 Reffs im 21m2 Grossegel ist defintiv zuviel. Ich ziehe auf Yoyo zum ersten Mal Reff 3 ein. und verkleinere auch das Vorsegel entsprechend. Nun läufts mit 7-7,5kn und das Boot wirkt weniger belastet. Die Wellen sind total chaotisch. Wir haben ein Wellenset auf NNW und eines aus West, von wo die Böen über die Inseln des Maddalenaarchipels und der Berge Sardiniens abgelenkt werden. Ueberhaupt scheint jedes Tal und jeder Bergzug seine eigenen Böen und Winddreher aufs Meer zu schicken. Ich bleibe daher recht weit draussen, so ca. 7 - 10sm, um den wirren Drehern zu entgehen. Das Boot wird von den Wellen nur so herumgeworfen und ich kann mich phasenweise kaum auf den Beinen halten. Oft kreuzen sich 2 Wellen aus verschiedenen Richtungen, dann hüpfen sie aufeinander los, klatschen zusammen stürrzen ein und in das Loch fällt dann manchmal Yoyo mit einem lauten Knall. Dann fliegt eimerweise Wasser übers ganze Schiff. Eine Riesengaudi ist das, da es ja strahlend schön und warm ist. Ich habe nicht die geringste Angst und geniesse die Fahrt. Weiter südlich wird der Wind etwas instabiler. Nun heisst es Reff rein Reff raus und Reff wieder rein. Eine “Heidenbüez”. Ausgerechnet als ich mein Abendessen endlich bereit habe spielt der Wind verrückt. Er ist nur noch schwach, etwa 4 Bf, doch sobald ich die Reffs auschütte dauerts ein paar Minuten und dann bläst wieder mit 5-6. Die letzten 7sm muss ich dann doch noch motoren. Aber die Bilanz ist diesmal erfreulich. Von ca. 110sm bin ich deren 103 gesegelt. Uebrigens habe ich unterwegs auf offenener See kein einziges anderes Segelboot angetroffen. Die mit den grossen Yachten blieben wohl alle in den Buchten oder Häfen. Morgens um 2 Uhr fällt der Anker in der Bucht Frailis südlich von Arbatax. Ein rundum glücklicher Tag geht zu Ende, auch wenn ich oft so wild fluchte, dass es mir selber darob grauste. Morgen verhole ich mich in den Hafen von Arbatax. Eine Erkenntnis habe ich auch gewonnen. Nein, deren drei. 1. mein Boot ist verlässlich und macht in solchen Bedingungen keine Probleme. 2. Bei stürmischen Winden aus der richtigen Richtung ist gut voranzukommen.3. Ich hatte 0 Probleme mit Seekrankheit. Der Schweinkram aus der Büchse den ich zum Nachtessen in die Bratpfanne warf hat mir nichts ausgemacht. Ach ja; es war Gratin Dauphinois. Eigentlich für den Backofen gemacht aber den habe ich ja eben nicht. Wie komm ich bloss dazu solches Zeugs zu kaufenn?